Nicht Vereinigte Staaten von Europa, sondern die Europäische Republik sollten wir gründen!


Blick vom Rosengarten auf den Grazer Uhrturm.

Heißt die Zukunft der EU Vereinigte Staaten von Europa? Wenn es nach aktuellen Umfragen geht: Nein. FAZ.NET hat gestern eine Umfrage veröffentlicht und titelt: “Nur eine Minderheit ist für Vereinigte Staaten von Europa”. Käme es zu einer Abstimmung in der EU, wären 50% dagegen, 24% dafür und 26% unentschlossen. Eine grundsätzlich hervorragende Ausgangssituation für eine Abstimmung, die überhaupt noch nicht ernsthaft diskutiert wurde. Doch darüber, ob wir die Vereinigten Staaten von Europa wirklich brauchen, sollten wir reden.

Der Großteil der deutschen Bevölkerung befürwortet die europäische Vereinigung. Ein Zusammenschluss zu den „Vereinigten…

Gepostet von FAZ.NET – Frankfurter Allgemeine Zeitung am Samstag, 17. März 2018

24% sind zu wenig für Vereinigte Staaten von Europa

Ja, aber 26% sind noch unentschlossen. Angesichts der Tatsache, dass eine ernsthafte Debatte über die Zukunft der EU völlig fehlt, ist das Ergebnis dieser Umfrage akzeptabel. Hier können wir noch viel Überzeugungsarbeiten leisten. Doch da sind wir schon bei dem Punkt, an dem es hakt. Denn wir sollten die Europäische Republik fordern und nicht Vereinigte Staaten von Europa.

Vereinigte Staaten von Europa oder Europäische Republik – Was macht das schon für einen Unterschied?

Einen Gewaltigen. Ich selbst war jahrelang für Vereinigte Staaten von Europa. Doch je mehr ich mich mit der Thematik auseinandergesetzt und die Geschichte Europas umfassender beleuchten konnte, desto klarer wurde für mich, dass es eine Europäische Republik braucht. Denn in einer Europäischen Republik gibt es keine Nationalstaaten mehr. Stattdessen gibt es selbstständige Regionen und eine nachnationale Demokratie! Klingt im ersten Moment etwas befremdlich, ich weiß. Denn wir alle hinterfragen zu wenig.

 I love EU bietet ein EU-Flagge Badetuch an.

Nationalstaaten sind ein künstliches Produkt

Bei mir als gebürtiger Steirer und Wahlheimat-Wiener landen genauso wenig Kasknöpfle am Mittagstisch, wie ich die Sprache von Tiroler_innen verstehe. Meine Mentalität unterscheidet sich grundlegend von deren. Die kulturellen Unterschiede zwischen West- und Ostösterreich (auch Nord- und Südösterreich) sind enorm und dennoch sollen wir alle “Österreicher” sein. Wieso?

Kurzer Ausflug: Seit wann gibt es Österreich?

Genau genommen gibt es das Österreich, so wie wir es kennen erst seit 73 Jahren. Die zweite Republik besteht seit 1945. Davor gab es fast 1.000 Jahre lang ein anderes “Österreich” – und ziemlich viel Krieg. Hier ein kurzer Auszug aus Wikipedia:

“Weite Gebiete des heutigen Österreich gehörten im späten 8. Jahrhundert zum baierischen Stammesherzogtum im Fränkischen Reich Karls des Großen. Im folgenden Ostfrankenreich war in der Region des heutigen Niederösterreich seit 856 eine Marcha orientalis den Karolingern unterstellt. Diese Grenzmark im Südosten des Reiches wurde zur Keimzelle des späteren Österreich. Dieses Gebiet ging 907 allerdings an die Ungarn verloren. Erst nach der Schlacht auf dem Lechfeld 955 konnte das ostfränkische Reich wieder nach Osten expandieren, und es entstanden neue Herzogtümer und Markgrafschaften. Damit begann auch eine weitere Welle bajuwarischer (baierischer) Siedlungstätigkeit.
Im Jahr 976 entstand die älteste Ländereinheit auf dem Boden der heutigen Republik Österreich in der Form des selbständigen Herzogtums Kärnten.”

Regionen sind unsere Heimat

Es wird sehr deutlich, was für viele Nationalstaaten in Europa gilt: Sie wechselten die Grenzen, wie die Unterwäsche. Auf was will ich hinaus? Ganz einfach: Während Nationalstaaten immer versucht haben ihr Gebiet auszuweiten und die Bevölkerung in einer Verwaltung und meistens einer Sprache zu vereinheitlichen, ist etwas immer beständig geblieben: Regionalität. Die Regionen, in denen wir leben, haben eine viel beständigere Wurzeln, als die Nationalstaaten. Regionale Sprachen, Gerichte und Brauchtümer sind es, die uns zu dem machen, was wir sind. Deshalb fühlen wir uns auch in erster Linie in unserer Region Zuhause.

Wenn wir also über die Zukunft von Europa reden, müssen wir uns die Vergangenheit anschauen. Die Nationalstaaten haben das Europa das immer schon geprägt war von vernetzten Städten und Regionen zerstört. Sie haben Grenzen quer durch Regionen gezogen (z.B.: Tirol/Südtirol, Steiermark/Untersteiermark Štajerska) und Menschen und Familien getrennt, die zusammengehören.

Die Zukunft Europas liegt in selbständigen Regionen, eingebettet in die Europäische Republik

Ojeh, Kleinstaaterei, rechte Unabhängigkeits-Fantastereien… Nein! Europa! Wir brauchen keinen Staat aus Staaten, die zu groß für das Kleine und zu klein für das Große sind. Die Ebene der Nationalstaaten ist im Jahr 2018 überflüssig. Sie sind zu weit weg, um sich um die regionalen Besonderheiten zu kümmern und zu klein, um den Herausforderungen der Globalisierung zu trotzen. Die Vereinigten Staaten von Europa würden an der gleichen Blockade scheitern, wie es die EU tut, die wir heute kennen. An dieser Stelle möchte ich auch zwei Buchempfehlungen aussprechen, die mich sehr inspiriert haben: “Warum Europa eine Republik werden muss” und “Der Neue Bürgerkrieg”, beide von Ulrike Guérot.

Vereinigte Staaten von Europa oder doch die Europäische Republik? Auf einer weißen Fläche liegen die Bücher "Warum Europa eine Republik werden muss" und "Der neue Bürgerkrieg" von Ulrike Guérot.

In Vielfalt geeint

Die Stärke Europas ist die Vielfalt. Die Vielfalt der regionalen Sprachen, der regionalen Kulturen! Wir brauchen selbständige Regionen, die nah an den Bürger_innen entscheiden können, Regionen und Städte die sich vernetzen zu einer Europäischen Republik, die die Dinge effizient lösen kann, für die die Regionen zu klein sind. Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. In Echtzeit können wir mit jedem Ort der Welt verbunden sein. Künstliche Intelligenzen und Programme werden schon bald in der Lage sein Sprachen in Echtzeit zu übersetzen. Eine nachnationale Demokratie ist bereits heute möglich!

Europa mit Amerika zu vergleichen ist absurd: Daher NEIN zu den Vereinigten Staaten von Europa aber JA zur Europäischen Republik

Ein Problem habe ich noch mit den Vereinigten Staaten von Europa. Sie werden oft als Kopie der Vereinigten Staaten von Amerika gesehen. Das löst bei vielen Menschen Angst aus. Zu Recht. Denn Europa ist völlig anders als Amerika. Das Konzept der Vereinigten Staaten ist außerdem ein überholtes. Ob es uns passt oder nicht: Wir sind bereits auf dem Weg zum Weltenbürger/zur Weltenbürger_in. Eine Europäische Republik, könnte ein Modell für viele andere Orte auf dieser Welt sein, wo regionale Streitigkeiten zu jahrelangen und grausamen Kriegen führen. Das Modell der Europäischen Republik mit einer nachnationalen Demokratie, wird für mehr Frieden und Wohlstand sorgen. Jetzt muss sich jede Person selbst die Frage stellen auf welcher Seite sie steht und wie verantwortungsvoll sie sich fühlt.

Gründen wir die Europäische Republik! Unsere Namen werden in den Geschichtsbüchern stehen. Die Frage ist, ob dein Name dabei steht? Trag dich für meinen Newsletter ein und sei dabei.

 

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